Ich werde vom 01. September 2007 bis 31. August 2008 in Jerusalem bei einer Friedensorganisation arbeiten. Mit diesem Blog möchte ich alle erreichen die sich über meine Tätigkeiten im Beit Ben Yehuda und im Beit Frankforter informieren möchten.
Sonntag, 1. Juni 2008
Vergleiche...
Für mich war es der Moment an dem ich nicht mehr verglichen habe; Verhaltensmuster, Aussehen oder einfach wie man Sachen hier bewältigt. In dem Moment wo ich nicht mehr dachte 'Also in Deutschland hätten wir das anders gemacht!'; da war ich angekommen. Allerdings bringt das ein Problem mit sich, denn einem gehen die Themen aus. Ich sehe die interessanten Dinge einfach nicht mehr. Darum mache ich jetzt eine neue Kategorie auf in der ich mich immer einer spezifischen Sache annehme und sie Vergleiche. Wenn jemand gerne mal wissen möchte wie man so etwas eigentlich in Israel oder Palästina macht, dann scheut euch nicht und fragt. Ich fange heute mit „Die Benutzung der Hupe im Straßenverkehr...“ an.
Viel Spass! Euer André
Die Benutzung der Hupe im Straßenverkehr...
Auch das „Präventiv Hupen“ ist gerade in Jerusalem stark verbreitet. Hält man mit seinem Auto zum Beispiel den dritten Platz vor einer roten Ampel inne, so hupt man bevor es Grün wird. So möchte der Kenner der Ampelschaltung, die Anderen an seiner Kompetenz teilhaben lassen. Schließlich kennt nicht jeder die Schaltzeiten auswendig. Manchmal kommt es zu vereinzeltem Fehlhupen, weil sich die Ampelschaltung geändert hat. Es wird in solchen Situationen öfters gehupt um das Aufmerksamkeitspotential aufrecht zu erhalten. Dabei muss man klar sagen, dass sich Israelis und Araber in der Beziehung nicht unterscheiden.
Einmal sah ich wie ein Fahrlehrer seiner neuen Schülerin eine Einweisung im Fahrschulauto gab. Noch bevor er auf Gas oder Gangschaltung zeigte, sollte sie die Hupe testen.
Mittwoch, 23. April 2008
Brotlose Zeit...
Dienstag, 15. April 2008
Alle die an mich gedacht haben...
Ich bedanke mich: für die vielen lieben Anrufe die ich bekommen habe, für die Unmengen von SMS, für viele E-Mails (sogar aus Irland und von einer werdenden Mutti), für eine volle Pinnwand im Studivz, für die Kommentare hier auf dieser Seite und für den Käsekuchen im Kühlschrank…
Aber sicher am Meisten habe ich mich über die Überraschungsparty in En Karem gefreut. Für einen Abend war ich der König.

So jetzt genug mit den Sentimentalitäten... Hier steht Pessach - das wohl höchste jüdische Fest - vor der Tür. Für uns Gois heist es Hamsterkäufe tätigen, denn es gibt hier per Gesetz eine Woche lang nichts zu kaufen was aus Getreide ist und länger als 18 min mit Wasser in Kontakt
Habt euch wohl, euer André...
Samstag, 29. März 2008
Geisterstadt...
Die Soldaten nehmen hier eine ganz bizarre Rolle ein, sie müssen die Siedler schützen - und niemanden Anderes. Natürlich wissen das die Siedler und vor allem auch ihre Kinder. Es kommt ständig zu Übergriffen und brutalen Auseinandersetzungen. Wenn zum Beispiel die palästinensischen Kinder aus der Schule kommen werden sie von den jüdischen Jungs mit Steinen beworfen, die Mädchen treten und kratzen. Die Eltern wissen genau, dass ihre Kinder nicht dafür belangt werden können. Die israelischen Soldaten die die Ausgangssperre für die palästinischen Bewohner durchsetzen, stehen daneben und dürfen nicht aktiv gegen die Siedler vorgehen. Hier gibt es kein geltendes Recht, in Hebron ist Recht was der Kommandeur der israelischen Truppen befiehlt. Ein Soldat am Checkpoint sagt uns er dürfe auf jeden Palästinenser schießen der hier durch will.
Weil das natürlich für jedes friedliche Miteinander gift ist, hat das Militär alle Bereiche in denen Siedler unterwegs sind für Palästinenser sperren lassen. So funktioniert aktive Landnahme auch in anderen Siedlungen. Hier in Hebron bedeutet es das ein ganzes Stadtzentrum für die Bewohner gesperrt ist, der Markt, die Wohnungen alles ist verlassen damit eine Handvoll Siedler dort leben können.
hier darf sich kein Palästinenser bewegen
israelische Soldaten im geschlossenen Markt
"So sehen radikale Siedler aus!"
Weil die Siedler natürlich schon wissen, dass schlechte Publicity in Israel auch die Räumung bedeuten kann, nehmen sie auch solche Gruppen wie uns ins Visier. Aus diesem Grund werden wir von Polizei und Militär geschützt. Es ist auch ständig jemand mit einer Videokamera dabei. Nachdem wir durch die ausgestorbene Innenstadt gelaufen sind treffen wir eine palästinensische Familie die unterhalb eines besetzten Hauses lebt. Der Vater berichtet von der Situation und zeigt uns Videos wie die Siedler zum Beispiel in die arabische Schule eindringen und alles verwüsten.
Der schlimmste Moment war als er von seinem jetzt 13 jährigen Neffen erzählt hat. Eine der Siedlerinnen hat ihm im März 2005 einen Stein in den Mund gepresst und dann mit voller Kraft zu gedrückt bis die Zähne raus gebrochen sind. Alle diese Taten sind von verschiedenen NGOs dokumentiert, es liegen Zeugenberichte und ärztliche Atteste vor.
Was das alles für mich bedeutet? Es macht alles mal wieder nicht einfacher. Wut, Hass und Abscheu macht sich auf dem Rückweg in mir breit. Das Einzige was mir an diesem Tag an positivem bleibt, ist das Wissen um die Leute die diese Tour nach Hebron organisieren. Es sind ehemalige israelische Soldaten die in Hebron gedient haben, sie haben Dinge erlebt die für mich kaum begreifbar sind. Sie mussten wegschauen wenn die Siedler Ausschreitung provozierten. Jetzt bringen sie Israelis und internationale Besucher wie mich hier her, damit wir sehen was hier im Namen Israels passiert. Aber eben ein Israel in dem sie auch Leben. Ein Israel wo die Mehrheit gegen die Siedlung in Hebron ist, traurig das gerade hier die Demokratie nicht funktioniert. Da bleibt nur die Erkenntnis, dass sich mir kaum Fragen beantworten sondern nur neue Stellen.
Ich konnte nicht überall Fotos machen, es gibt aber Videos von den Übergriffen. Außerdem findet ihr bei B'Tselem einen ausführlichen Bericht.
Überblick über die Situation in Hebron
(www.youtube.com)Die Siedlerin die dem Jungen die Zähne zerhauen hat
(www.youtube.com)
Mit ihm haben wir gesprochen(www.youtube.com)
Der Mann der hier bedroht wird,
hat auch unsere Gruppe geleitet
(www.youtube.com)Bericht über "Breaking The Silence"
(www.spiegel.de)
Euer André
Dienstag, 18. März 2008
In der Knesset...
Mehr will mir da gerade nicht einfallen, ich gehe jetzt ins Bett…
"Die Sicherheit Israels ist nie verhandelbar" (www.tagesschau.de)
Euer André
Das ist ein historischer Moment!
Bis nachher, euer André…