Die Überschrift ist in doppelter Bedeutung zu verstehen! Zum einen weil ich aus
Ra'anana zurück bin, das Seminar über die Erfassung von Shoa Biographien und zum Anderen war ich zwischendurch 4 Tage in Ägypten.
Das Seminar war wie ich finde sehr gewinnbringend und ich meine wir werden auf
„The RelationNet Project“ auch von ASF gesammelte Lebensgeschichten veröffentlichen. Ich hoffe mal, dass ich in den nächsten Wochen ein Lebensbild testweise online stellen kann.
Nach verrichteter Arbeit bzw. Seminar, habe ich meinen Besuch aus Dresden vom Flughafen abgeholt. In Person sind das Carsten, Sebastian, Alexander, Daniela und Christine. Mit Carsten und Sebastian habe ich letztes Jahr die Fachhochschulreife gemacht und die Beiden sind schon seit einem Semester kräftig dabei zu studieren. Freitag waren wir in Bethlehem und Samstag haben wir ein paar schöne Ecken in J’lem besucht, am Sonntag ging es dann für 4 Tage nach Ägypten. Früh um sechs Uhr sind wir zum Bahnhof, um mit dem Zug nach
Beerscheba zu fahren. Dort sind wir dann mit dem Bus nach
Mitzpe Ramon gefahren. Nachdem wir am Rande des
Maktesh Ramon gepicknickt haben wollten wir dann mit dem Bus weiter nach
Elat. Naja wir wollten! Alle Busse die kamen fuhren vorbei weil sie voll von Soldaten waren, somit sind wir dann wieder zurück nach
Beerscheba gefahren, wo wir uns mehr Chancen auf einen Bus nach
Elat ausrechneten.
Mitten in der Negev warten wir auf den Bus
Auch das sollte nicht so einfach sein. Nach der Erkenntnis, dass wir am Sonntag keinen Bus mehr bekommen, haben wir uns mit vier Israelis ein Sherut geteilt. Um 23:30 Uhr sind wir dann endlich an der Grenze nach Ägypten. Eine halbe Stunde dauert der Grenzübertritt worauf eine einstündige Taxifahrt nach
Nuweiba folgte. Um drei Uhr liegen wir dann endlich in unseren so ersehnten Schilfhütten direkt am Roten Meer. Erst am nächsten Morgen erschließt sich uns die berauschende Schönheit unserer Umgebung.
(Dieses Bild bedarf keiner Bildunterschrift)
Der Montag ist natürlich ein Tag der ganz im Zeichen des „Nichts Tuns“ seht. Nicht den ganzen Tag, den wir müssen manchmal etwas Essen und Baden gehen. Aber das tollste ist das Korallenriff direkt vor der Tür, 10 Meter zu Fuß und 10 Meter geschwommen und alles ist bunt unter den Füßen. So geht einer der ruhigsten Tage in meinem Leben zu Ende.
Am Dienstag sind wir dann früh aufgebrochen um den Mount Sinai zu besteigen. Das Camp am Fuße des Berges liegt auf 1000m und der Berg ist 2285m hoch. So galt es 1300m höhen Differenz zu überwinden. Ein beduinischer Guide begleitete uns beim Aufstieg und Abstieg. Hinauf haben wir ungefähr 3 Stunden gebraucht, rück zu ging es dann schneller.
Alex, Basti, André, Carsten und unser beduinischer GuideFür den nächsten Tag war dann wieder ausruhen angesagt. Außer Carsten, wollte jeder ein wenig mit sich und seinem Muskelkater allein sein. Am Abend waren wir dann bei einem Beduinen zwei Strände weiter zum Essen eingeladen. Eigentlich hatte er in Kairo Geschichte studiert nur lies sich mit sowas in Ägypten nicht viel Geld verdienen. Darum vermietet er jetzt einfache Hütten an Touristen und betreibt ein kleines Restaurant mit seinem Freund. Irgendwie versteht man da gar nicht, dass wir hier auf einem der heiß umkämpftesten Gebiete der Welt unterwegs sind, so ruhig, still und schön.
Eigentlich wollte ich nie wieder weg! Ich habe das Paradies gefunden...Am nächsten Morgen sind wir sehr früh wieder Richtung Grenze aufgebrochen. Vorbei an goldenen Stränden und idyllischen Buchten. An der Grenze in Taba lassen wir das Hilten Hotel rechts liegen und reihen uns in die lange Schlange von Wartenden ein. Eine nigerianische Reisegruppe will die Grenze passieren, chaotisch wäre eindeutig untertrieben. Nach 2 Stunden verlassen wir das israelische Grenzterminal und nehmen den nächsten Bus Richtung Norden. In der Oase Ein Gedi am Toten Meer verlassen mich die fünf um zu wandern, ich fahre weiter nach Jerusalem. Allein im Bus unter ganz vielen Soldaten. Mir fällt auf wie stark die kulturellen Unterschiede sind, im Sinai haben wir insgesamt genau eine Frau gesehen, eine Einzige, verschleiert natürlich. Auf die Frage wo die Frauen seinen sagt uns der Taxifahrer:„Das ist doch nicht Europa!“. Und im Bus nach Jerusalem, hier sitze ich zwischen schwer bewaffneten weiblichen Soldaten! Ehrlich gesagt finde ich beide Frauenbilder mehr als beängstigend.
Euer André