Donnerstag, 14. August 2008

Die Vergessenen...


Wer lebt eigentlich alles in Israel? Juden und Araber; naja vielleicht besser Palästinenser. Die wenigsten wissen, dass es in Israel mehr als 100.000 Beduinen gibt. Beduinen, so sollte es eigentlich sein, sind Nomaden die umherziehen um für ihre Herden geeignetes Weideland zu finden. Im Rahmen unseres Seminars haben wir Beduinen in der Negev besucht.

Am Morgen finde ich mich in einem Bus wieder der durch Judäa und Samaria fährt. Ich verwende an dieser Stelle den biblischen – den jüdischen Namen – für das Gebiet im Süden von Jerusalem. Nicht weil ich es in jüdischer Hand sehen will, sondern weil es sich so anfühlt. Judäa, dieses wunderschöne Stückchen Land, auf dem schon David und Goliath ihren Kampf austrugen. Felder und Wiesen werden durchbrochen von kleinen Wäldern, Tälern und Bächen. Hirten treiben ihre Herden über die Hänge, verschleierte Frauen kreuzen unseren Weg und kleine Kinder spielen am Wegrand. Hinter der nächsten Kurve kommt uns ein Junge auf einem Esel entgegen. Nach einer Weile lassen wir die Berge von Hebron hinter uns und die Landschaft wird karger; die Bäume kleiner und die Wasserläufe seltener. Hier beginnt die Wüste. Es ist nicht das erste Mal das ich diese Gegend besuche, so verwundert es mich nicht wie plötzlich kein Grün mehr bis zum Horizont zu sehen ist. ‚Trotzdem schön!‘ dachte ich und legte mich auf die Seite um noch ein weinig zu schlafen.

Kurze Zeit später werde ich unsanft geweckt. Wir fahren eine Schotterpiste entlang auf der wir ordentlich durchgeschüttelt werden. Der Weg führt uns zu einer dieser nicht anerkannten Siedlungen der Beduinen. Selbst der Begriff „Weg“ stellt eine maßlose Übertreibung dar. Nach dem Aussteigen erwartet uns ein sehr netter und redseliger Mann der uns über die Probleme der Beduinen aufklärt. Grob umrissen stellt es sich in etwa so dar: Beduinen sind die eigentlichen Ureinwohner von Israel, sie wollen ihre Kultur pflegen und in Ruhe gelassen werden. Jeder Beduine weiß von dem Anderen wo sein Land anfängt und das des Nächsten beginnt. Nach dem Unabhängigkeitskrieg hat Israel angefangen ihr Land zu konfiszieren. Sicher war auch das Misstrauen auf jüdischer Seite gegenüber dieser arabischen Minderheit sehr groß. Die Beduinen hatten und haben keine Erfahrung mit solch Bürokratischen Systemen wie das des jungen Israelischen Staates, so protestierten sie wenig und versuchten mehr dieser Bedrohung aus zu weichen. Sie siedeln in Dörfern die nicht vom Staat genehmigt wurden und damit unmittelbar von der Zerstörung bedroht sind. Bürokratisch bedeutet es, dass die betroffenen Hütten eine „Demolition Order“ bekommen, Praktisch heißt es die Häuser werden abgerissen.

Nach einer Tasse beduinischen Tees ging es dann weiter mit dem Bus. Vereinbart war uns mit einem Bedienen zu treffen der vor Gericht für die Rechte von enteigneten Kämpft. Um gegen den israelischen Staat zu klagen und vor allem auch zu gewinnen, muss man im Besitz einer Urkunde aus der Osmanischen Zeit sein. Natürlich haben nur die wenigsten eine solche. Und auch wenn solche Unterlagen vorhanden sind, werden Verfahren verschleppt bis die Beduinischen Familien kein Geld mehr haben. Sie gehören zu den Ärmsten in Israel.
Er erzählt uns auch, dass die israelischen Behörden es ja versucht hätten, ihnen ein Leben wie einem Israeli zu ermöglichen. Nicht weit von Beerscheba gibt es Orte die direkt dafür angelegt wurden Beduinen sesshaft zu machen. Wir sitzen also wieder im Bus um uns solche Städte anzuschauen. Als wir nach Tel Sheba reinkommen sieht erst mal alles aus wie eine kleine normale israelische Stadt mitten in der Wüste. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass alle Frauen verschleiert sind, es keine großen Supermärkte gibt sonder mehr solcher kleinen Shops. Das erinnerte mich sofort an Ost-Jerusalem oder die Westbank. Im Gegensatz zu den illegalen Siedlungen gibt es hier Wasser, Abwasser und Strom, die meisten Straßen sind asphaltiert und es gibt sogar begrünte Verkehrsinseln. Wenn doch alles etwas schmuddeliger wirkt. Schon nach wenigen Minuten ist klar, diese Stadt hat kein Beduinen entworfen. Architekten aus Tel Aviv haben sie geplant und gebaut. Am ehesten sieht man es an mehrstöckigen Häusern, die ab der zweiten Etage nicht bewohnt sind. Traditionell wohnen Beduinen nicht übereinander.
Auf dem Rückweg ist die Sonne schon tief rot und verschwindet langsam am dunstigen Horizont. Nach mehreren Stunden Unterwegs bei fast 40°C wird man Hungrig. Wir halten an einer Raststätte auf dem Weg nach Jerusalem. Ich hole mir bei der Burgers Ranch - einem McDonalds abklatsch - einen Burger. Mit koscherem Fastfood im Mund und Internationalem Völkerrecht im Kopf durch das Heilige Land. Was für ein verrücktes Stückchen Erde!

Weiterführender Artikel zu Beduinen in Israel.

Euer André

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gruß aus Kirchhain,
wieder sehr interessant,
bis bald.

Anonym hat gesagt…

Hallo Andre auch dieser Blog ist wieder genau so interesant wie die anderen...ich wünsch dir noch ein paar schöne restliche Tage, weil bald wird dich ja wieder das "normale Leben" einholen. Vieleicht sieht man sich ja mal auf ein Bier oder so.
Gruß von Frank aus Meißen

Anonym hat gesagt…

Hallo Du!

Viele Grüße aus Oberfranken, von Deiner lieben Cousine Nadine. Habe diesen Blog auch wieder mit großer Interesse gelesen. Noch ein paar schöne Tage in Israel und wünsche mir, dass wir uns alsbald wiedersehen!!!

Nadine

Anonym hat gesagt…

Hi Andre,
wieder mal ein sehr schöner Blog.
Viel Spass für die letzten Tage. Bald gibts wieder Bier und Weihnachten ;-)

Viele Grüße
Robert

P.S. Sag bescheid falls du was über das Studium wissen willst.

hd hat gesagt…

Hallo Andre,

wie ist denn so das befinden an den letzten Tagen? Sitzt Du schon auf gepackten Koffern oder würdest Du gern noch ein Jahr ranhängen. Ich freu mich schon wenn ich dich so richtig ausquetschen kann :-)

HD